Ist eine dezentrale Lüftung für Mehrfamilienhäuser geeignet?
Ja, eine dezentrale Lüftung ist für Mehrfamilienhäuser sehr gut geeignet, insbesondere wenn einzelne Wohnungen unabhängig voneinander belüftet werden sollen oder eine Lüftungsanlage im Bestand nachgerüstet wird. Anders als bei einer zentralen Lüftungsanlage benötigt eine dezentrale Lösung in der Regel kein umfangreiches Luftkanalsystem durch das gesamte Gebäude. Die Lüftungsgeräte werden direkt in den jeweiligen Wohnungen beziehungsweise Räumen installiert und können bedarfsgerecht gesteuert werden. Dadurch eignet sich das Konzept sowohl für Neubauten als auch für die Sanierung und Modernisierung bestehender Mehrfamilienhäuser.
Gerade in modernen oder energetisch sanierten Gebäuden mit gut gedämmten Fassaden und dichten Fenstern findet nur noch wenig natürlicher Luftaustausch statt. Feuchtigkeit, CO₂ und verbrauchte Raumluft können sich dadurch schneller ansammeln. Eine richtig geplante dezentrale Wohnraumlüftung sorgt kontinuierlich für Frischluft und führt feuchte sowie verbrauchte Luft nach außen. Systeme mit Wärmerückgewinnung können zusätzlich einen großen Teil der Wärme aus der Abluft nutzen, um die einströmende Außenluft vorzuwärmen. Das verbessert den Wohnkomfort und reduziert unnötige Wärmeverluste beim Lüften.
Für Eigentümer, Vermieter, Hausverwaltungen oder Bauherren ist allerdings eine fachgerechte Planung entscheidend. Anzahl, Position und Leistung der Geräte müssen zum Gebäude, zur Wohnungsgröße und zum erforderlichen Luftwechsel passen. RKL Projekt unterstützt Sie bei der Planung und Umsetzung einer passenden Lüftungslösung für Ihr Mehrfamilienhaus. Für eine persönliche Beratung erreichen Sie uns unter 0178 969 3028 oder per E-Mail an info@rklprojekt.de.
Warum ist eine dezentrale Lüftung im Mehrfamilienhaus sinnvoll?
In einem Mehrfamilienhaus unterscheiden sich die Gewohnheiten der Bewohner erheblich. Während eine Familie regelmäßig die Fenster öffnet, wird in einer anderen Wohnung möglicherweise nur selten gelüftet. Für Eigentümer oder Vermieter ist es deshalb schwierig, einen ausreichenden Luftaustausch ausschließlich über das Verhalten der Bewohner sicherzustellen.
Eine dezentrale Lüftungsanlage kann den erforderlichen Luftwechsel weitgehend unabhängig vom manuellen Fensterlüften unterstützen. Die einzelnen Lüftungsgeräte werden gezielt dort eingesetzt, wo frische Luft benötigt oder Feuchtigkeit abgeführt werden muss.
Besonders interessant ist das für:
- Mehrfamilienhäuser mit energetisch sanierten Fassaden,
- Gebäude mit neuen und sehr dichten Fenstern,
- Bestandsgebäude und Altbauten,
- Neubauten mit hoher Energieeffizienz,
- Wohnungen mit Feuchtigkeitsproblemen,
- Schlaf- und Wohnräume mit erhöhtem Frischluftbedarf,
- Badezimmer und andere Räume mit hoher Feuchtebelastung.
Damit lässt sich die Lüftung gezielt an die Anforderungen einzelner Wohnungen oder Räume anpassen.
Wie funktioniert eine dezentrale Lüftung im Mehrfamilienhaus?
Bei einer dezentralen Wohnraumlüftung gibt es normalerweise keine große zentrale Lüftungseinheit mit einem weit verzweigten Kanalsystem für das gesamte Gebäude. Stattdessen befinden sich kompakte Lüftungsgeräte direkt in den zu belüftenden Bereichen.
Installation direkt in der Außenwand
Viele dezentrale Systeme werden über eine Kernbohrung direkt in der Außenwand installiert. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich.
Das reduziert den baulichen Aufwand erheblich und ist einer der wichtigsten Gründe, warum dezentrale Systeme besonders für bestehende Gebäude interessant sind.
Bei einer Sanierung müssen beispielsweise nicht zwangsläufig umfangreiche Lüftungskanäle durch mehrere Wohnungen oder Geschosse verlegt werden.
Lüftungsgeräte können paarweise arbeiten
Bei bestimmten dezentralen Systemen mit Wärmerückgewinnung arbeiten zwei oder mehrere Geräte miteinander.
Ein Gerät führt beispielsweise warme Raumluft nach außen und speichert dabei einen Teil ihrer Wärme in einem keramischen Wärmespeicher. Anschließend wechselt die Strömungsrichtung: Frische Außenluft strömt über den erwärmten Speicher nach innen und nimmt einen Teil dieser Wärme auf.
Je nach System wechseln die Geräte regelmäßig zwischen Zu- und Abluftbetrieb.
Andere dezentrale Systeme arbeiten dagegen mit zwei getrennten Luftströmen und können Außenluft zuführen und Abluft gleichzeitig abführen.
Welche Vorteile bietet eine dezentrale Lüftung für Mehrfamilienhäuser?
Individuelle Lüftung jeder Wohnung
Einer der größten Vorteile ist die dezentrale Steuerung.
Wohnungen oder sogar einzelne Räume können entsprechend ihrem tatsächlichen Bedarf belüftet werden. Dadurch muss nicht zwangsläufig das gesamte Gebäude nach einem einzigen Lüftungsprofil betrieben werden.
Das ist gerade in Mehrfamilienhäusern interessant, weil Bewohner unterschiedliche Anforderungen an Raumklima und Luftwechsel haben. Auch bei dezentralen HVAC-Konzepten gehört die individuelle Kontrolle einzelner Wohneinheiten zu den wesentlichen Vorteilen.
Weniger aufwendige Luftkanäle
Ein zentrales System benötigt üblicherweise ein entsprechendes Luftverteilungsnetz. In einem bereits bestehenden Mehrfamilienhaus kann dessen nachträgliche Installation einen erheblichen baulichen Aufwand verursachen.
Dezentrale Geräte befinden sich dagegen direkt in oder an den zu belüftenden Räumen.
Das macht die Lösung besonders für Sanierungen und Nachrüstungen attraktiv.
Schrittweise Modernisierung möglich
Nicht jedes Mehrfamilienhaus muss zwingend in einem einzigen Bauabschnitt vollständig mit Lüftungstechnik ausgestattet werden.
Abhängig vom geplanten Lüftungskonzept können einzelne Wohnungen oder Gebäudebereiche im Rahmen einer Sanierung nacheinander modernisiert werden.
Das kann interessant sein, wenn beispielsweise Wohnungen ohnehin renoviert werden oder eine energetische Sanierung abschnittsweise durchgeführt wird.
Kann eine dezentrale Lüftung Feuchtigkeit und Schimmel vorbeugen?
Ein wesentlicher Grund für den Einsatz kontrollierter Wohnraumlüftung ist der Feuchteschutz.
Beim Duschen, Kochen, Waschen, Trocknen von Kleidung und selbst durch Atmung entsteht täglich Feuchtigkeit in einer Wohnung.
Kann diese Feuchtigkeit nicht ausreichend entweichen, steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Trifft warme und feuchte Raumluft anschließend auf kalte Oberflächen, kann Kondenswasser entstehen.
Besonders gefährdet sind beispielsweise:
- Außenwände,
- Raumecken,
- Fensterbereiche,
- Wärmebrücken,
- Bereiche hinter großen Möbelstücken.
Eine richtig dimensionierte dezentrale Lüftung führt kontinuierlich feuchte Raumluft ab und unterstützt dadurch dabei, überhöhte Luftfeuchtigkeit und Kondensation zu vermeiden.
Eine Lüftungsanlage beseitigt keinen vorhandenen Schimmel
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Eine Lüftungsanlage kann die Bedingungen reduzieren, unter denen Schimmel entsteht, sie entfernt jedoch nicht automatisch bereits vorhandenen Schimmel.
Besteht bereits ein Schimmelproblem, muss zunächst die Ursache untersucht werden. Neben unzureichendem Luftwechsel können beispielsweise Wärmebrücken, Wasserschäden, undichte Bauteile oder andere bauliche Ursachen verantwortlich sein.
Welche Rolle spielt die Wärmerückgewinnung?
Besonders interessant für Mehrfamilienhäuser sind dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung.
Beim klassischen Fensterlüften wird im Winter nicht nur verbrauchte Luft nach außen transportiert. Gleichzeitig geht ein Teil der zuvor erzeugten Heizwärme verloren.
Eine Wärmerückgewinnung reduziert diesen Effekt.
Wie wird die Wärme zurückgewonnen?
Vereinfacht funktioniert das Prinzip folgendermaßen:
Warme verbrauchte Raumluft wird nach außen geführt. Bevor sie das Gebäude verlässt, gibt sie einen Teil ihrer Wärme an einen Wärmetauscher oder Wärmespeicher ab.
Anschließend wird diese gespeicherte Wärme genutzt, um die einströmende frische Außenluft vorzuwärmen.
Dadurch gelangt frische Luft in die Wohnung, ohne dass die gesamte in der Abluft enthaltene Wärme verloren gehen muss.
Moderne dezentrale Systeme können je nach Gerät hohe Wärmerückgewinnungsgrade erreichen.
Verbessert eine dezentrale Lüftung die Luftqualität?
Ja. Eine richtig geplante Anlage sorgt für einen regelmäßigen Austausch zwischen verbrauchter Raumluft und frischer Außenluft.
Dadurch können unter anderem:
CO₂-Konzentrationen reduziert werden: Menschen geben beim Atmen kontinuierlich CO₂ an die Raumluft ab. Besonders in Schlafzimmern kann die Konzentration während der Nacht deutlich steigen.
Feuchtigkeit abgeführt werden: Feuchte Luft wird kontrolliert nach außen transportiert.
Gerüche reduziert werden: Der kontinuierliche Luftwechsel verhindert, dass sich verbrauchte und unangenehm riechende Luft über längere Zeit im Raum hält.
Partikel gefiltert werden: Je nach eingesetztem Filter können Staub, Pollen und andere Partikel aus der einströmenden Außenluft reduziert werden.
Damit verbessert eine dezentrale Wohnraumlüftung nicht nur den Feuchteschutz, sondern kann auch zu einem angenehmeren Raumklima beitragen.
Ist eine dezentrale Lüftung für die Sanierung eines Mehrfamilienhauses geeignet?
Gerade hier liegen die größten Stärken dieser Technik.
Bei einem bestehenden Mehrfamilienhaus ist häufig bereits die komplette Gebäudestruktur vorhanden. Ein nachträgliches Kanalsystem für eine zentrale Lüftungsanlage kann deshalb umfangreiche Eingriffe in Decken, Wände oder Schächte erforderlich machen.
Dezentrale Geräte benötigen dagegen typischerweise eine geeignete Außenwandöffnung sowie die notwendige elektrische Versorgung und Steuerung.
Dadurch können sie häufig mit deutlich geringerem Eingriff in die vorhandene Gebäudestruktur nachgerüstet werden.
Das macht dezentrale Lüftung besonders interessant bei:
Fenstersanierungen
Werden alte Fenster gegen moderne, luftdichte Fenster ausgetauscht, reduziert sich der bisher vorhandene unkontrollierte Luftaustausch erheblich.
Ein geeignetes Lüftungskonzept kann deshalb nach einer Fenstersanierung besonders wichtig werden.
Fassadensanierungen
Auch eine verbesserte Wärmedämmung erhöht die Luftdichtheit eines Gebäudes. Eine kontrollierte Lüftung kann anschließend dafür sorgen, dass Energieeffizienz und ausreichender Luftwechsel miteinander kombiniert werden.
Komplettsanierungen einzelner Wohnungen
Wird eine Wohnung ohnehin vollständig renoviert, lässt sich eine dezentrale Lüftung häufig direkt in das Sanierungskonzept integrieren.
Dezentrale oder zentrale Lüftung im Mehrfamilienhaus?
Beide Lösungen können sinnvoll sein. Welche Variante besser geeignet ist, hängt stark vom Gebäude und vom geplanten Projekt ab.
Wann spricht mehr für eine dezentrale Lüftung?
Eine dezentrale Lösung ist besonders interessant, wenn:
- ein bestehendes Gebäude nachgerüstet werden soll,
- keine großen Lüftungskanäle installiert werden sollen,
- Wohnungen individuell gesteuert werden sollen,
- nur bestimmte Gebäudebereiche modernisiert werden,
- eine schrittweise Sanierung geplant ist,
- einzelne Räume besondere Feuchtigkeitsprobleme haben.
Wann kann eine zentrale Lüftung sinnvoller sein?
Bei einem Neubau kann ein zentrales System attraktiv sein, weil die benötigten Luftkanäle bereits während der Planungs- und Bauphase berücksichtigt werden können.
Zentrale Systeme können größere Luftmengen über ein gemeinsames System verteilen und ermöglichen eine zentrale Wartung. Bei großen Gebäuden kann das ein wichtiger Vorteil sein. Auch allgemein hängt die Entscheidung zwischen zentralen und dezentralen Lösungen stark von Gebäudegröße, Infrastruktur sowie langfristigen Installations- und Wartungskosten ab.
Was muss bei der Planung beachtet werden?
Eine dezentrale Lüftungsanlage sollte nicht einfach nach dem Prinzip „ein Gerät pro Wohnung“ ausgewählt werden.
Die erforderliche Lüftungsleistung muss fachgerecht bestimmt werden.
Raumgröße und Luftvolumen
Größere Räume benötigen in der Regel einen höheren Luftvolumenstrom als kleine Räume.
Nutzung der Räume
Ein Schlafzimmer stellt andere Anforderungen an die Lüftung als ein Badezimmer oder Wohnzimmer.
Anzahl der Bewohner
Auch die Belegung einer Wohnung beeinflusst den notwendigen Luftwechsel.
Schallschutz
Im Mehrfamilienhaus spielt Schallschutz eine besonders wichtige Rolle. Das betrifft sowohl die Betriebsgeräusche der Geräte als auch den von außen übertragenen Schall.
Vor allem bei Schlafzimmern und Gebäuden an stark befahrenen Straßen sollte dieser Punkt bereits während der Planung berücksichtigt werden.
Filter
Die Filterklasse sollte entsprechend der Umgebung und den Anforderungen der Bewohner gewählt werden. Besonders in Städten, bei hoher Staubbelastung oder für Allergiker können geeignete Filter einen zusätzlichen Vorteil bieten.
Wartungszugänglichkeit
Da mehrere dezentrale Geräte im Gebäude vorhanden sein können, müssen Filter und andere wartungsrelevante Komponenten einfach erreichbar sein.
Wie aufwendig ist die Wartung?
Dezentrale Lüftungsanlagen sind grundsätzlich wartungsfreundlich, benötigen aber regelmäßige Pflege.
Dazu gehören insbesondere:
- Kontrolle und Wechsel der Filter,
- Reinigung der Innenabdeckungen,
- Kontrolle der Außenabdeckungen,
- Reinigung beziehungsweise Überprüfung des Wärmetauschers,
- Kontrolle der Ventilatoren und Luftwege.
Der Unterschied zu einem zentralen System liegt vor allem darin, dass bei einer dezentralen Lösung mehrere einzelne Geräte vorhanden sind.
In einem großen Mehrfamilienhaus sollte deshalb bereits bei der Planung ein sinnvolles Wartungskonzept berücksichtigt werden.
Für welche Mehrfamilienhäuser ist dezentrale Lüftung besonders interessant?
Eine dezentrale Wohnraumlüftung eignet sich insbesondere für bestehende Mehrfamilienhäuser, energetische Sanierungen und Gebäude, bei denen ein zentrales Luftkanalsystem nur mit großem baulichem Aufwand realisierbar wäre.
Auch bei Neubauten kann sie sinnvoll sein, wenn eine unabhängige Steuerung der Wohnungen, flexible Planung und eine dezentrale technische Struktur gewünscht werden.
Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage, ob ein Gebäude ein Mehrfamilienhaus ist. Viel wichtiger sind Gebäudezustand, Grundriss, Anzahl der Wohnungen, Luftbedarf, Schallschutz, energetischer Standard und gewünschte Regelung.
Fazit: Ist eine dezentrale Lüftung für Mehrfamilienhäuser geeignet?
Ja – dezentrale Lüftungsanlagen können eine sehr gute Lösung für Mehrfamilienhäuser sein. Besonders bei der Sanierung bestehender Gebäude bieten sie den Vorteil, dass häufig kein aufwendiges zentrales Luftkanalsystem installiert werden muss. Gleichzeitig lassen sich Wohnungen individuell belüften und bei Systemen mit Wärmerückgewinnung Frischluftversorgung und Energieeffizienz miteinander verbinden.
Eine fachgerecht geplante Anlage kann kontinuierlich verbrauchte und feuchte Raumluft abführen, frische gefilterte Außenluft bereitstellen und dadurch das Raumklima verbessern sowie das Risiko feuchtigkeitsbedingter Probleme reduzieren.
Damit das System zuverlässig funktioniert, müssen jedoch Luftvolumen, Anzahl und Position der Geräte, Wärmerückgewinnung, Schallschutz und Filterung individuell zum Mehrfamilienhaus passen.
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